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Der dunkle Wanderer, Vitagen 5

Es war finster. Nun, so finster auch nicht. Gerade so, dass man nichts mehr erblicken konnte.
Vtagn saß. Wo wusste er nicht. Es war auch ganz und gar belanglos. Überhaupt fragte er nicht. Er hatte nicht zu fragen, saß da und fror. Es war nicht etwa kalt. Es war angenehm. Vtagn fror, weil er wusste, dass er ein Negativ war. Ein Negativ im Negativ. Es kann ja schon ideenlos verwirrend sein. Und so saß er da, fror und hasste. Er hasste es. Es war alles, was man nur hassen konnte, was hassbar erschien. Es war zB. die keifende Stille. Und Furcht, umsonst geboren zu sein. Und Angst vor allem Positivem.
Und Panik, nicht auszureichen. Und dieser Punkt: „.“
Einfach alles, was in der einen oder auch der anderen Weise, ja, überaus konstant immens irre-störend-unnötig-sinnlos erschien und ihn langsam die unendliche Wendeltreppe des Wahnsinnes hinab stieß. Seine Wendeltreppe. Er wusste nur mal wieder nicht, welche Etage.

Das war egal – Orte sind ja bekanntlich belanglos. Nur der Inhalt ist von Bedeutung, niemals die Form. Und so saß er da, fror, hasste es und schmiedete einen Plan. Er hatte nämlich vor, der neue dunkle Wanderer zu werden. Es war nur nötig, die momentane Vision durchzusetzen. So einfach. Und so schwer. Unendlich schwer. Vtagn wusste nicht, warum er kämpfen musste. Sich bemühen musste. Es war wohl Vitagen. Ja ja, immerzu diese Gedanken an Vitagen. Diese kleinen Wesen, die kommen und gehen, einen im Sturm nehmen um einen im nächsten Moment wieder in endlose Abgründe zu stürzen. Es machte keinen Spaß, innerlich zerrissen zu sein. Oh doch.

Vtagn schnippte sich an seinen Gaumen, rappelte sich auf und rannte los. Einfach in die Schwärze hinein, er stürzte sich ins Nichts. Sowas macht Spaß, solang kein Widerstand kommt und es kam keiner, und so, und nur so konnte es Spaß machen. Und dann rannt er in den dunklen Wanderer. Der sah das Übel kommen, lachte und stellte sich genau so, dass Vtagn auch in ihn rennen musste. Das war nicht einfach. Der dunkle Wanderer konnte zwar sehen (der dunkle Wanderer ist toll), aber Vtagn bewegte sich im anscheinend nichtigen Bereich und nicht im anscheinend wichtigen. Soll heißen, Vtagn rannte gefühlsgesteuert. Und Gefühle sind nicht konstant, einfach oder gar klar erkennbar. Und so erschien und verschwand Vtagn mal hier und mal dort. Mal war er schnell, mal langsam. Mal hüpfte er auf einem Bein und mal auf dem Mittelfinger. Einmal kroch er sogar, indem er sich auf die Seite legte, ein Bein hinter sein Ohr klemmte, sich die Finger verknotete, den kleinen der linken Hand mit einem Skalpell gar ganz abtrennte (das Blut war leider nicht zu sehen, Vtagn heulte deshalb immer etwas) und ihn sich dabei lässig ins Ohr steckte. Dabei stöhnte er „öp.. öp... öp....“ und bei jedem „öp“ glitt er ein wenig, es waren nur Millimeter, über die nicht erkennbare Oberfläche des anscheinend nichtigen Raumes. So konnte man eigentlich auch sagen, er schwebte einmal sogar, beachtete man aber die Geschwindigkeit, und dass es ein Negativ war, so konnte man es quasi als unsichtbarer Beobachter mit der Gabe des dunklen Wanderers durchaus als kriechen betrachten.
Ach, ist doch egal.

Vtagn rannte in den dunklen Wanderer.
„Hurra!“, brüllte er dabei, „Hurra, der dunkle Wanderer!“. Und so war er nahezu eins mit dem Wanderer und er war ganz „happy“, wie der entwurzelte Deutsche sagen würde.

Und während er so war, überlebte Vitagen, er lag gerade in seinem Bett, es war nachts, die Uhr warf „0:10“ in rotem Glanze an die Decke und Vtagn wurde endlich gänzlich zum Herrscher. Der dunkle Wanderer, nun nahezu im Vitagen enthalten, mahnte ihn durch kleine Wesen, doch auch zu bedenken, dass viel Schmerz dabei wäre. Doch Vtagn liebte den Schmerz, Vitagen hatte ihn somit auch zu lieben und so war dies mehr Ansporn als Hindernis für den, der nahezu endgültig überlebt war.
Er blickte nur liebevoll auf die leblose Hülle des dunklen Wanderers, schnitt dieser dann mit einer einzigen Überlegung den Kopf herunter und kickte ihn in die unendlichen Weiten der negativen Emotionen. Er jodelte dabei.
Denn Wahnsinn ist nicht nur eine Form des Überlebens, nein, Wahnsinn macht auch Spaß, sehnsüchtig glücklich und erschafft Identität – und das ist ja schon immer das wichtigste gewesen.
12.10.07 19:30


Der dunkle Wanderer, Vitagen 4

Es war der Müll. Vitagen watete im Müll. Und labte sich an seiner Trübsal. Er überstieg die Schatten seiner Artgenossen, stand vor einer Wand, bestieg die Leiter, die daran befestigt, und erkannte, dass die Wand ein riesenhafter Müllbehälter. „Hinter jedem Lachen stecken Tränen“, so sprach eine Stimme in seinem Inneren. Und Vitagen stieg weiter, erklomm den Gipfel, streckte die Arme weit aus und schrie sein Leben in das weite Tal des Abfalls.
War es nicht schön? Nein, es war nicht schön, aber hier war ja auch keiner, den es kümmern konnte. „Moment!“, jemand tippte Vitagen auf die Schulter, und erschrocken fuhr dieser herum, verlor den Halt, und stürzte gar tief, doch landete er in sanftem Wasser, und sah sich verwundert in einem fantastischen Bachlauf wieder, umsäumt von Natur, so wild, frei und ungezähmt. „Wie konnte ich mich nur hierher denken? Könnte ich es nur immer!“ Vitagen dachte und schwieg, verlor sein Sein in Ruhe. „Ich war der Denker!“, so erhielt er endlich Antwort. Ein rascher Blick genügte, und Vitagen lachte über die Anwesenheit des dunklen Wanderes. „Ach!“, so sprach er ganz ergriffen, „wie das klare Wasser nur so um mich saust, es ist eine Pracht, eine Wonne, ich fühle mich ganz und gar lebendig!“ „Ja, Vitagen. Fühle dich gar und ganz lebendig, hier kannst du es. Doch wird man dich wieder herunter ziehen, dem Falle folgt ein Aufstieg und dem folgt erneut ein Fall. So wirst du herum gewirbelt, vom Mond zur Sonne und zurück, und immer haftest du auf Erden.“ „Ach, ist das nicht wunderbar!“, Vitagen lachte. Er spielte mit ein paar Fischen, die aufgetaucht waren und nun gar lustig um ihn sprangen. „Du verschließt dich meinen Worten, Vitagen.“ Vitagen hielt inne und erwiderte des Wanderers Blick. Dann sprach er: „Oh, du Alptraum, lass uns eins sein!“, verließ hierbei die Fische und sprang auf, sich mit dem Wanderer kameradschaftlich im Blute zu verbinden. Doch dieser wich, zückte einen Rosendorn und malte in den Irdischen das Mal der Sehnsucht. Vitagen schrie und sein Kopf zerstob in Fetzen, sein Geist verging in grellem Licht und er fand sich in einer schwarzen Brühe liegend, die erbärmlich stank. Um ihn wucherten die Toten im Müll. Da wollte er schreien, doch erblickte er in weiter Ferne den dunklen Wanderer, sah, wie dieser sich gerade an einem verfaulten Stück Hüfte verging und dabei in vollkommenem Wahn schallend lachte und Vitagen lachte mit, er lachte und lachte voller Weisheit. So offenbarte sich also erst bei Schmutz, Schweiß und Siechtum das Glück.
26.9.07 03:39


Der dunkle Wanderer, Vitagen 3

Vitagen erwachte in einem Körper um genau 2 Uhr 04 und 11,07 Sekunden. Seinem Blick eröffnete sich sein Zimmer, er stand flugs auf, kleidete sich an, verzichtete wie gewohnt einer unbestimmten Neigung folgend auf eine frühzeitliche Nahrung und verließ das Haus. War es der Abend oder der Morgen? Es konnte ihm gleichgültig sein, war es doch finster, ob auf diese oder andere Weise. Er rannte ein paar Schritte und aus den Schritten wurden Kilometer. Er hetzte um die Ecke und stieß sich den Schädel gar bös'. „Na nu'!“, dachte Vitagen benommen bei sich. „Jetzt gehe ich diesen Weg schon jahrelang, und noch nie war an dieser Stell’ dies’ Hindernis!“ Nachdem die hell strahlenden Sterne und der bleich-kühne Mond vorüber gezogen, beschaute er sich das Hindernis näher, es war ein Schild, auf welchem die folgende Mitteilung geschrieben stand:

„D.D.W. empfiehlt:
Treten sie unbedingt dem Verein „Mut zur natürlichen Hässlichkeit“ bei!
Gegen künstliche Normbildung, frei sei die Natur!“

Vitagen zeigte sich glücklich, besah sich die angegebene Kontaktadresse näher und plante einen, wie er hoffte, kurzen Umweg ein. Er lief Häuserecke um Häuserecke ab, doch schien sich die angegebene Straße nicht an ihrem ursprünglichen Flecke befinden zu wollen. Vor Erschöpfung keuchend hielt er inne, stütze sich gekrümmt an einen Laternenpfahl und presste die Hand in den Bauch. Durch das kühle Licht der Laterne bekam die sonst so unkenntlich finstre Umgebung eine unwirkliche Aura, fast war ihm, als begann alles um ihn herum zu leben und zu singen. Hier und da schnappte er einige Fetzen auf, es waren Verse wie:
„Scharlachrot ist der Birnbaum, der Birnbaum ist grau“, oder „So rosa die Nacht, so grün das Wesen, so schwarz das Licht“ oder auch einfach „Ich wünschte mir, das Leben weinte blaue Tränen“. Wie einen Traum, so versuchte er das Erlebte mit dem Verstand abzuschütteln, und es gelang sogar. Vitagen rappelte sich alsbald auf, um weiterzusuchen. Doch bereits nach wenigen Schritten stolperte er, fiel der Länge nach unsanft. Lange harrte er auf dem rauen Asphalt. „Was treibt die Menschen nur dazu“, so kamen ihm schmerzhaft die Gedanken, „das natürlich feine Wesen der Welt mit derartig seelenlosem zu belasten. Der hoheitliche Mensch, er überbaut ja alles Leben und fragt sich am Ende, wo und wie es nur verschwinden konnte!“ Das Blut stahl sich ihm schwer aus den Wunden, doch beim Aufprall der Tropfen auf dem harten Grunde kamen allmählich die subtilen Gesänge zurück und von neuer Energie gepackt sprang Vitagen auf, säuberte sich, indem er ein Taschentuch zu Hilfe nahm und sprang voll kindlicher Freude einem neuen Ziel entgegen, dabei stetig von dem einen auf das andere Bein wechselnd.

Unterwegs, einige leblose Straßen weiter, traf er auf einen Gärtner, der kopfschüttelnd an einer Verkehrsinsel stand und den spärlichen, offensichtlich bald sterbenden Blumenwuchs mit unverständlichem Blicke abmaß. „Was soll ich nur tun“, so redete er sich zu, „jede Methode versagt, doch will ich ja nur ein wenig vom Leben und von der Schönheit der Natur hier in den Verkehr auf dieser Straße bringen!“
„So zerstückle er die Straße und pflanze dann seine Blumen, und er wird sehen, wie das Werk der Natur wieder Leben hierher bringt!“, brach Vitagen unaufgefordert in den Monolog, er war einfach hinzu getreten um sich, neugierig geworden, das Problem aus der Nähe zu beschauen. „Sei kein Narr“, so sprach der Gärtner, „wenn ich die Straße entferne, so entferne ich auch die Bedeutung dieses Ortes. Durch die Straße hat der Mensch Verbindung, ohne erreicht er ihn nicht, er erreicht nichts!“
„...erreicht nichts.“, echote Vitagen bedacht. „Da magst du Recht haben, oh Freund der künstlichen Bepflanzung, der Mensch erreicht die Natur doch nur noch durch künstliche Methoden voller selbst erschaffener Technik, ich will sagen, selbst verpfuschter Technik! Er hat Genuss und Ruh’ verlernt und kann sich nicht mehr in aller Sinnlichkeit einfach aufs Gras betten um den nahen Wald zu spüren und ihn in sich aufzunehmen, nein, die Kleidung könnte ja Flecken davon tragen, so benötigt er also zumindest eine sterile Bank. Und wohl dazu gleich auch das Telefon, bei aller Notlage. Und so weiter! Doch verschafft er sich ja selbst in all der Hektik und mit jeder weit’ren leblosen Technik immer mehr der Notlagen, da er sich mit ihnen ja immer mehr der Natur, dem Ziel und Sinn entzieht! Wie kann das nur übersehen werden! Wie! Bei all der Widernatur, über die man so klagt! Warum kann man die Natur nicht nehmen und lassen, wie sie ist? Ich stehe hier und frage mich das, weil ich einen Gärtner sehe, der sich wundert, warum seine Samen nicht gedeihen wollen! Herr Gärtner, so schauen sie doch nur genau hin! Wer will denn allein der Schönheit wegen wachsen, um bei beginnender Reife schon danklos abgetötet und abgelöst zu werden?“
„Nun, vergleiche er mir nur nicht die Pflanze mit dem Menschen!“, tadelte der Gärtner unfein. „Er erweist sich ja am Ende noch als dumpfer Träumer! Der Mensch ist zur Reife da, die Pflanze aber ist nur ein nied’rer Diener, der ihm zu gehorchen hat, oder er wird zertrampelt, so will es das Gesetz!“ Das letzte ward geschrien und der Gärtner hüpfte und sprang auf den leblosen Blümchen herum wie ein Toller.
„Mögest du eines Tages so leblos werden wie das Wesen deiner Technik“, so dachte Vitagen bei sich und zog ohne ein weit’res Wort traurig von dannen.
25.9.07 00:43


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