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Der dunkle Wanderer, Vitagen 4

Es war der Müll. Vitagen watete im Müll. Und labte sich an seiner Trübsal. Er überstieg die Schatten seiner Artgenossen, stand vor einer Wand, bestieg die Leiter, die daran befestigt, und erkannte, dass die Wand ein riesenhafter Müllbehälter. „Hinter jedem Lachen stecken Tränen“, so sprach eine Stimme in seinem Inneren. Und Vitagen stieg weiter, erklomm den Gipfel, streckte die Arme weit aus und schrie sein Leben in das weite Tal des Abfalls.
War es nicht schön? Nein, es war nicht schön, aber hier war ja auch keiner, den es kümmern konnte. „Moment!“, jemand tippte Vitagen auf die Schulter, und erschrocken fuhr dieser herum, verlor den Halt, und stürzte gar tief, doch landete er in sanftem Wasser, und sah sich verwundert in einem fantastischen Bachlauf wieder, umsäumt von Natur, so wild, frei und ungezähmt. „Wie konnte ich mich nur hierher denken? Könnte ich es nur immer!“ Vitagen dachte und schwieg, verlor sein Sein in Ruhe. „Ich war der Denker!“, so erhielt er endlich Antwort. Ein rascher Blick genügte, und Vitagen lachte über die Anwesenheit des dunklen Wanderes. „Ach!“, so sprach er ganz ergriffen, „wie das klare Wasser nur so um mich saust, es ist eine Pracht, eine Wonne, ich fühle mich ganz und gar lebendig!“ „Ja, Vitagen. Fühle dich gar und ganz lebendig, hier kannst du es. Doch wird man dich wieder herunter ziehen, dem Falle folgt ein Aufstieg und dem folgt erneut ein Fall. So wirst du herum gewirbelt, vom Mond zur Sonne und zurück, und immer haftest du auf Erden.“ „Ach, ist das nicht wunderbar!“, Vitagen lachte. Er spielte mit ein paar Fischen, die aufgetaucht waren und nun gar lustig um ihn sprangen. „Du verschließt dich meinen Worten, Vitagen.“ Vitagen hielt inne und erwiderte des Wanderers Blick. Dann sprach er: „Oh, du Alptraum, lass uns eins sein!“, verließ hierbei die Fische und sprang auf, sich mit dem Wanderer kameradschaftlich im Blute zu verbinden. Doch dieser wich, zückte einen Rosendorn und malte in den Irdischen das Mal der Sehnsucht. Vitagen schrie und sein Kopf zerstob in Fetzen, sein Geist verging in grellem Licht und er fand sich in einer schwarzen Brühe liegend, die erbärmlich stank. Um ihn wucherten die Toten im Müll. Da wollte er schreien, doch erblickte er in weiter Ferne den dunklen Wanderer, sah, wie dieser sich gerade an einem verfaulten Stück Hüfte verging und dabei in vollkommenem Wahn schallend lachte und Vitagen lachte mit, er lachte und lachte voller Weisheit. So offenbarte sich also erst bei Schmutz, Schweiß und Siechtum das Glück.
26.9.07 03:39
 



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